Biotopschutzmaßnahmen auf dem Gebiet der Jägerschaft Duderstadt
Seit im Jahre 1980 in der Jägerschaft Duderstadt die Funktion des Obmannes für den Naturschutz geschaffen und vom Verfasser übernommen wurde, sind wir bei der Mitarbeit bei Flurbereinigungsverfahren, bei Pflanzmaßnahmen und beim Erwerb von Biotopschutzflächen im Namen der Landesjägerschaft nicht untätig gewesen.
Vor 20 Jahren spielten bei der Flurbereinigung und in den Köpfen mancher Mitarbeiter des Amtes für Agrarstruktur der Erhalt oder die Einrichtung naturnaher Biotope noch eine relativ geringe, dem Ziel der Verbesserung der Produktionsbedingungen für die Landwirtschaft deutlich nachgeordnete Rolle. Ein paar Minihecken oder eine Lindenreihe längs einer Feldstraße und ein halbes Dutzend spitzer Dreiecke an Wegekreuzungen, auf die kein Landwirt Wert legte, war das, was in älteren Verfahren für die Natur heraussprang. Während bei diesen frühen Flurbereinigungsverfahren Flächenabzüge meist unter 1% lagen und selbst aufgegebene Feldwege der landwirtschaftlichen Nutzfläche entschä-digungslos zugeschlagen wurden, haben sich manche neueren Verfahren aus unserer Sicht sehr zum Positiven entwickelt:
Bei dem hier als Beispiel angeführten Verfahren Rollshausen, Kreis Göttingen, wurden für eine naturnahe Gestaltung der Feldflur mehrere Prozent aus der Nutzfläche herausgenommen. Die Jägerschaft Duderstadt hat davon etwa 10%, das sind mehr als 7 ha, erworben. Die Lage der Flächen ist aus dem beiliegenden Kartenausschnitt ersichtlich. Die biotopverbessernden Maßnahmen, die an den einzelnen Flächen getroffen wurden, sind, je nach Biotop, sehr unterschiedlicher Art: Zum Teil wurden Feuchtwiesen, alte Obstgärten oder trockene Berghänge der natürlichen Sukzession überlassen ( eventuell nach Pflanzung einer dichten Hecke, um sie gegen Wege abzuschirmen ). Zum Teil wurden Hegebüsche von einem Morgen bis einem Hektar Größe angelegt, zum Teil wurden Flächen in einer baum- und deckungsarmen Landschaft zu Waldinseln mit einem standortgerechten artenreichen Laubwald aufgeforstet. Die Jägerschaft Duderstadt hat in Rollshausen etwa 15.000 DM zu der Kaufsumme beigetragen. Die örtlichen Jagdpächter hatten schon seit längerer Zeit, aufbauend auf dem Naturschutzpreis der Volksbank Duderstadt (s.u.), eine “Hegekasse” von 10.000 DM angespart und haben sich mit dieser Summe am Kauf beteiligt. Die Pflanzmaßnahmen wurden von den örtlichen Jägern und von zwei ABM-Kräften der Jägerschaft durchgeführt. Dieses Beispiel wurde ein wenig ausführlicher geschildert, da wir in anderen Revieren ähnlich verfahren sind. Eine gewisse Selbstbeteiligung der örtlichen Jagdpächter hat sich bei mehreren Verfahren als sehr positiv erwiesen.
Insgesamt hat die Jägerschaft Duderstadt seit 1983 aus dem Biotopschutz-programm der Landesjägerschaft 6 Flächen von etwa 6 ha Größe und aus eigenen Mitteln in den letzten Jahren in Zusammenhang mit den Flurbereinigungsverfahren in Gieboldehausen, Rollshausen, Germershausen und Seulingen etwa 30 Flächen mit einer Gesamtgröße von 18 ha erworben und in wertvolle Biotopschutzflächen überführt. Die Jägerschaft Duderstadt hat seit 1993 ins-gesamt 49.000 DM, die Jagdpächter haben in diesem Zusammenhang 18.000 DM in Flächenkäufe investiert. Die Flächen werden, soweit das noch nicht geschehen und die Zuteilung als Abschluß der Flurbereinigungsverfahren noch nicht erfolgt ist, z. T. in den Besitz der Landesjägerschaft übergehen, z.T. könnten sie auch in den Besitz der Jägerschaft eingehen, was nach Überführung der Jägerschaft in den Status eines e.V. auch möglich ist. Ein Erwerb nach dem üblichen Muster der Landesjägerschaft, mit Beschreibung der Flächen, Begutachtung etc., wäre in einigen Fällen nicht möglich gewesen, da Kaufentscheidungen sehr rasch zu treffen waren (Zugriff auf Flächen, die angeboten wurden und innerhalb kürzester Zeit gekauft werden mußten, da andere Interessenten Schlange standen...). An den gekauften Flächen selbst sind wir in vielen Fällen nicht interessiert, sie gehen in die Masse des Flurbereinigungsverfahrens ein, die Entscheidung über die endgültig ins Eigentum übernommenen Flächen erfolgt (über Größe und Bodenpunkte) erst bei der Flächenzuteilung, wobei dann natürlich unsere Wünsche nach günstiger Plazierung, geringem landwirtschaftlichen, aber hohem ökologischen Wert berücksichtigt werden.
Das Hegebuschprogramm läuft unter der Initiative unseres Hegebuschobmannes Harald Höhne daneben in altbewährter Weise weiter. Von 1984-1994 wurden 38 Pflanzmaßnahmen in den Revieren der Jägerschaft Duderstadt durchgeführt Die bepflanzte Fläche beläuft sich auf fast 24 ha, der Preis der Pflanzen, Zäune und Nachbesserungen auf 104.000 DM. Es handelt sich dabei nur um die Anpflan-zungen, welche unmittelbar über die Jägerschaft gelaufen sind. Es ist uns bekannt, daß viele Jagdpächter - in der Regel ortsansässige Jäger - sich in sehr starkem Maße auf eigenen oder gepachteten Flächen um Pflanzungen, Grünbrachen, Anlage von Streuobstwiesen, Feuchtbiotopen etc. verdient gemacht haben.
Dieses private Engagement wird jährlich in einem herausragenden Beispiel durch die Verleihung des Naturschutzpreises der Volksbank Mitte, Duderstadt, gewürdigt, der mit einem Betrag von 1.500€ verbunden ist.
Schaut man sich eine Kreiskarte mit Signaturen für die Hegebüsche und Biotopschutzflächen an, so erscheinen Verbesserungen hier natürlich immer nur punkthaft. Neben der Erhaltung von allgemein-ökologisch wertvollen Biotopen, wie Trockenrasenflächen, Naßwiesen oder Schluchtwäldern - im Kartenaus-schnitt wären etwa die Blasiuswiese in der Obernfelder Flur oder das Bärental in Gieboldehausen zu nennen - läßt sich in den ausgesprochen “allergischen” Bereichen des Eichsfeldes, in quadratkilometer-großen, fast oder völlig hecken- und baumfreien Kultursteppen durch die Schaffung von Busch- und Waldinseln, durch Hecken und Brachflächen durchaus eine deutliche “Verbesserung der Lebensqualität” für das Niederwild erzielen. (kp)
Die Hegebuschaktionen
Die in neuerer Zeit, d.h. in den letzten 15 Jahren, vom Landesjagdverband initiierten und den örtlichen Jägerschaften durchgeführten Hegebuschmaßnahmen waren bei weitem nicht die ersten Naturschutzaktionen dieser Art, mit denen die Biotope zum Wohle der freilebenden Tierwelt verbessert wurden.
Bereits in den frühen 50er Jahren fanden Anpflanzungen und Aufforstungen statt. Beispielsweise wurden im Gebiet der Jägerschaft Duderstadt im Zeitraum von 1953 bis 1962 450 Morgen ”Ödland” aufgeforstet. Alte Protokolle weisen Kosten in Höhe von 69.000,- DM aus. Im Musterrevier Gieboldehausen wies die Bilanz schon 1958 die Anlage einer beträchtlichen Anzahl von Hegebüschen aus, die ohne die Hilfe des Landesjagdverbandes finanziert wurde.
Beklagt wurde von der Jägerschaft, daß immer wieder Hecken und Büsche gerodet oder abgeflämmt wurden.
Anläßlich der Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Duderstadt am 16.03.56 rief der damalige Landesvorsitzende des LJN, H.W. Ottens dazu auf, ungenutzte Flächen zu begrünen, um dem Wild bessere Deckungs- und Äsungsmöglichkeiten zu schaffen. Gleichzeitig kündigte er an, daß der LJN zukünftig Mittel zu diesem Zweck bereitstellen werde. Im Protokoll der Versammlung der Revierinhaber vom 26.11.65 wurde bilanziert, daß in den Jahren von 1958 bis 1964 Anpflanzungen im Wert von 17.450,- DM vorgenommen wurden, die der LJN finanzierte.
Unmittelbar danach wurde auf Betreiben des damaligen 1. Vorsitzenden der Jägerschaft Duderstadt, Dr. Matthias Gleitze, der ”Arbeitskreis Heckenschutz” gegründet. Unter der Leitung von Dr. Gleitze tagte der Arbeitskreis am 28.11.57 erstmals. Angehörige von Landvolk, Forstverwaltung, Kommunen und Schulverwaltung, sowie des Wasserwirtschafts- und des Straßenbauamtes waren eingeladen und wirkten mit. Unter anderem wurde beschlossen, daß beim Bau von Wirtschaftswegen die Anpflanzung von Hecken eingeplant wurde.
Mit großer Sorge erfüllte die Mitarbeiter des Arbeitskreises das sinnlose Abbrennen, Ausroden und Abschneiden von Hecken, Büschen und lebenden Zäunen. Um diesem ”verwerflichen Treiben” zu begegnen, wollte Dr. Gleitze in seiner Eigenschaft als Oberkreisdirektor des Landkreises Duderstadt im Jahr 1957 den Erlaß einer Verordnung zum Schutze der Hecken im Kreisgebiet erwirken. Damit war er seiner Zeit voraus. Die Verordnung trat jedoch nicht in Kraft, da die damals zuständige Bezirksregierung Hildesheim intervenierte. Eine entsprechende gesetzliche Regelung der obersten Naturschutzbehörde zum Zwecke einer landesweit einheitlichen Regelung war in Vorbereitung, mußte aber erst den Instanzenweg durchlaufen.
Inzwischen sind Hegebuschmaßnahmen in den letzten 20 Jahren kontinuierlich durchgeführt worden, wobei sich die Jägerschaft des Untereichsfeldes durch besondere Aktivität ausgezeichnet hat bzw. sich immer noch auszeichnet. So wurde beispielsweise im Zeitraum von 1984 bis 1999 in 103 Projekten mit ca. 65.000 Pflanzen im Wert von 133.118,- DM Flächen in einer Größe von 30,3 Hektar bepflanzt. Nicht eingerechnet wurden kleinere Flächen, wie Wegränder, Böschungen und dergleichen. Eine Bilanz von 1981 bis 1990 weist in diesem Zusammenhang 7.950 laufende Meter aus. Ebenfalls unberücksichtigt in diesen Bilanzen blieben Privatinitiativen von Jagdpächtern, die immer wieder zu weiteren Anpflanzungen führten.
Die Jägerschaft Duderstadt ist stolz darauf, mit diesen Werten auf Landesebene, eine Spitzenstellung einzunehmen, die für eine derart kleine Kreisgruppe als ungewöhnlich angesehen werden muß.