Mitgliederzahlen und Jungjägerausbildung
In allen Gemeinschaften spielt die Nachwuchsfrage eine gewichtige Rolle. Das Durchschnittsalter von Vereinen und Verbänden steigt, Mitgliederzahlen gehen zurück und Vereinsmüdigkeit macht sich breit. In der heutigen Zeit sind nur noch wenige bereit, Verantwortung zu übernehmen. Diese Probleme hat die Jägerschaft Duderstadt nicht.
Mitgliederzahlen
Die Mitgliederzahlen haben sich in den letzten fünf Jahrzehnten vervierfacht. Hatte die Jägerschaft bei ihrer Neugründung noch rund 110 Mitglieder, so sind es heute 430, davon 24 Ehrenmitglieder und 11 Frauen. Die Ehrenmitgliedschaft wird ab dem 75. Lebensjahr verliehen. Die Mitgliederentwicklung verlief kontinuierlich. Schon 1959 hatten wir 183, 1965 schon 216 Mitglieder. Elf Jahre später waren es bereits 302, und 1987 400. Heute kommen auf 40.000 Eichsfelder 430 Jäger, also 1 Jäger auf 93 Bürger, was beweist, daß die Jagd in der Bevölkerung des Eichsfelds lebt. Im Bundesgebiet ist das Verhältnis 1 : 245. In Europa gibt es nur drei Staaten, wo das Verhältnis noch ungünstiger ist als in der Bundesrepublik (rund 338.000 Jäger). Alle anderen Staaten weisen ähnliche Relationszahlen auf, wie wir sie auf dem Eichsfeld verzeichnen.
Beiträge
An dieser Stelle ist vielleicht interessant, die Entwicklung der Mitgliedsbeiträge aufzuzeichnen. Notwendig ist aber auch, darauf hinzuweisen, daß die Jägerschaft Duderstadt im Vergleich zu anderen Jägerschaften mit ihren Beiträgen immer im unteren Bereich rangierte, was auch heute noch gilt. 1947, also zwei Jahre vor der eigentlichen, juristisch gültigen Gründung, mußten die Mitglieder 2,- Reichsmark Beitrag zahlen. Selbstredend hatte die Mark nach der Währungs-reform noch einen anderen Wert, als heute. Nicht nur die Beiträge waren damals niedriger, die Gehälter und Preise waren es auch. Im Laufe der Jahre wuchsen allerdings die Ausgaben der Jägerschaft und die Anteile an den Mitglieds-beiträgen, die an den Landesjagdverband abgeführt werden müssen, so daß Beitragserhöhungen immer wieder nötig wurden. 1957 waren es 8,- DM, die zu entrichten waren, 1966 15,- DM, 1976 wurde der Beitrag von 20,- auf 26,- DM erhöht, 1988 waren 50,- DM zu zahlen, und 1994 betrug der Mitgliedsbeitrag 60,- DM. Im Jahr ihres Jubiläums kam die Jägerschaft nicht umhin, den Beitrag mit Wirkung des neuen Jahrtausends auf 80,- DM zu erhöhen. Mit der Einführung der neuen Währung Euro reduziert sich die Zahl jedoch wieder auf 40,- (Euro).
Jungjägerausbildung
Auch wenn es in früheren, nicht so schnellebigen Zeiten vielleicht gemütlicher war, die Jägerprüfung zu machen, so wurde den Jungjägern auch in ”alten Zeiten” der Jagdschein nicht geschenkt. Eine Übersicht weist aus, daß von 1942 bis 1959 140 Jungjäger ausgebildet wurden. Inzwischen nennt man die Jägerprüfung das ”Grüne Abitur”, wegen des hohen Schwierigkeitsgrades nicht umsonst. Durchgefallen sind in Zeiten, die inzwischen als historisch bezeichnet werden müssen, wenige oder gar keine Jungjäger. Das hat sich gravierend geändert. Die Gesellschaft hat sich in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten stark verändert, damit auch die Ansprüche und Anforderungen, die in allen Lebensbereichen an den Einzelnen gerichtet werden. Davon waren und sind natürlich auch die Jäger betroffen, zumal sie gerade in den letzten zwei Jahrzehnten von außen zunehmend kritisch betrachtet werden.
Die Jungjägerausbildung war damit immer ein Kind ihrer Zeit, die sich stets an den Änderungen der Prüfungsordnung zu orientieren hatte. Der Schwierigkeits-grad wurde ständig erhöht, die Anforderungen an den werdenden Jäger wuchsen. Inzwischen ist in der Öffentlichkeit allgemein bekannt, daß der Jagdschein schwierig zu erlangen ist. Wer es geschafft hat, erfährt Anerkennung.
Zeitweise – vor allem in den 70er Jahren – war es ”chic”, Jäger zu werden. Der Jagdschein und alles, was sich herumrankte, wurde zeitweise zum Statussymbol. Auch dies hat sich zum Teil geändert, vermutlich eine Folge der öffentlichen Kritik an Jagd und Jägern, die schließlich aktiv mit scharfen Waffen umgehen und Tiere töten.
Daß Jäger nicht nur schießen, sondern auch Naturschützer sind, wollen viele Zeitgenossen nicht sehen. Das ändert nichts daran, daß der Deutsche Jagdschutz-Verband und die meisten Landesjagdverbände – der LJN Niedersachsen 1979 als einer der ersten – anerkannte Naturschutzverbände im Sinne von § 29 Bundes-naturschutzgesetz wurden. Jäger sind damit die einzigen Mitglieder eines anerkannten Naturschutzverbandes, die eine Prüfung ablegen.
Sie ist nicht einfach und verlangt dem angehenden Jäger einiges ab. Zur Zeit findet in der Zeit von September bis Mai des darauffolgenden Jahres zweimal in der Woche ein zweistündiger Unterricht statt, in dem die verschiedensten Fächer unterrichtet werden. Ökologie, Wildtierkunde, Wildkrankheiten, Hege und Jagdbetrieb, Jagdrecht, Waffenkunde, Hunde, sowie Behandlung erlegten Wildes und noch einiges mehr steht auf dem Lehrplan. Im Frühjahr kommen Reviergänge – zumeist am Sonntag-vormittag – und an den Samstagen etliche Übungsschießtermine hinzu. Die vierteilige Prüfung (Schießen, Reviergang, schriftliche und mündliche Prüfung) schließt für den Jungjäger eine stressige Zeit ab.
Jungjägerausbildung 1997
in der Gaststätte ”Zum Alten Fritz” in Nesselröden
Dementsprechende Bedeutung kommt der Ausbildung von Jungjägern in den Jägerschaften zu. In der Jägerschaft Duderstadt wird seit ihrem Bestehen fast alljährlich ein Jungjägerlehrgang mit durchschnittlich 12 bis 25 Teilnehmern durchgeführt. Nur 1959 und 1963 fanden keine Lehrgänge statt. Am Anfang waren es wenige, die den Jagdschein machen wollten oder konnten. Die Menschen hatten andere Sorgen und Interessen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlten viele Männer, die gefallen, in Gefangenschaft oder gerade erst zurückgekehrt waren. Daß eine Frau den Jagdschein machen wollte, war in den Anfangsjahren eher ungewöhnlich, auch wenn es schon einige – wenige – Jägerinnen gab. 1957 machten nur drei Männer den Jagdschein.
Mit der Zahl der zu unterrichtenden Fächer stieg natürlich auch die Zahl der erforderlich werdenden Ausbilder. Sie alle namentlich zu nennen, ist unmöglich. Es engagieren sich jedoch viele, die bereits an anderer Stelle genannt wurden und in der Jägerschaft Verantwortung (Hegeringleiter, Obmänner, Kreis-jägermeister usw.) übernommen hatten und haben. Die Qualität der Ausbildung liegt gewiß auch darin begründet, daß die Ausbilder es verstehen, eine nahezu familiäre Atmosphäre zu schaffen, sich über das normale Maß hinaus einzubringen und ein großes Interesse daran haben, soviel Prüflinge wie möglich durch die Prüfungen zu bringen. Da werden schon einmal gesonderte Schießtermine anberaumt oder extra Übungsabende eingeschoben, um Prüfungen zu simulieren. Das ist nicht selbstverständlich und muß auch einmal deutlich hervorgehoben werden.
All das führt regelmäßig zu einer unterdurchschnittlich geringen Durchfallquote, die zur Zeit deutlich unter der des Bundes und des Landes liegt und auch im Vergleich zu den umliegenden Jägerschaften günstig abschneidet. Damit genießt die Ausbildung in der Jägerschaft Duderstadt einen guten Ruf, auf den sie ein wenig stolz ist.
Im Jahr ihres 50jährigen Jubiläums traten 20 Jungjäger zur Prüfung an. Nur einer bestand sie nicht, womit die Durchfallquote nur 5 (!) % beträgt. Im Landesdurch-schnitt bestehen 20 bis 25 % den Test nicht, und in einigen Bundesländern liegt die Durchfallquote bei bis zu 40 %.
Die Durchfallquote war nicht immer so niedrig und bewegte sich zeitweise im Bereich des derzeitigen Landesdurchschnitts. Das schlechteste Ergebnis mußte die Jägerschaft 1974 verzeichnen, als 40 % der potentiellen Jungjäger bei der Prüfung durchfielen. In dieser Zeit fanden aber auch die Lehrgänge mit den meisten Teilnehmern statt (1969/70: 37; 1970/71: 35; 1971/72: 42).
Der Wichtigkeit dieses Fachgebietes entsprechend gibt es schon längere Zeit auch für dieses Ressort einen Obmann. Seit wann genau diese Funktion besteht, konnte nicht mehr ermittelt werden, doch weisen die Unterlagen der Jägerschaft aus, daß schon 1968 mit dem Berufsjäger Erich Kreuch ein Leiter für die Jungjägerausbildung benannt wurde. Doch die Aufgabe des Obmannes für die Jungjägerausbildung wurde nach Erich Kreuch nicht mehr besetzt. Die Koordinierung der Lehrgänge wurde von den Ausbildern in Zusammenarbeit mit dem 1. Vorsitzenden gemeinschaftlich wahrgenommen. Seitdem der Obmann für Jungjägerausbildung wieder eingerichtet wurde, bekleidet der Duderstädter Ulrich Cieslak dieses Amt.
Die derzeitigen Ausbilder sind schon seit langen Jahren tätig. Es sind
Alfred Ballhausen (Jagdrecht und anverwandtes Recht),
Helmut Nolte (Tiere),
Harald Höhne (Hege und Jagdbetrieb, Wald- und Feldbau),
Werner Rüttgeroth (Behandlung erlegten Wildes, Hunde und praktische Waffenausbildung),
Ulrich Cieslak (theoretische und praktische Waffenausbildung),
Karl Zwingmann (praktische Waffenausbildung) und
Dr. Wilhelm Hippe (Wildkrankheiten).
”Philipp” Fronhoff
überreicht dem Jungjägerkurs 92/93 nach den Prüfungen die Jägerbriefe