Das Schießwesen
Die Möglichkeit, das Schießen mit Flinte und Büchse auf geeigneten Schießständen zu trainieren, ist ein elementares Erfordernis für Jäger und angehende Jungjäger, die sich auf auf ihre Prüfungen vorbereiten müssen. Aus diesen Gründen muß eine Jägerschaft ihren Mitgliedern entsprechende Anlagen anbieten, denn das Wild ist kein Übungsobjekt zum Einschießen der Waffen.
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich natürlich einiges verändert. Es waren noch andere – glücklichere (?) - Zeiten, als der langjährige Vorsitzende Dieter Fronhoff bei der Vorstandssitzung am 19.09.75 dazu aufrief, bei der Terminierung von Übungsschiessen auf die Veranstaltung von Hühnerjagden Rücksicht zu nehmen.
Kugelschießstände
Mangels eines eigenen Kugelschießstandes schloß die Jägerschaft Duderstadt 1955 mit der Schützengesellschaft Duderstadt einen Vertrag für die Dauer von 10 Jahren, der sie zur Nutzung des Standes berechtigte, sie aber auch zur Beteiligung am Ausbau der Schießstätte verpflichtete. Hierfür zahlte die Jägerschaft bis zum 09.03.56 nicht weniger als 10.475,- DM. In der Vorstandssitzung vom 09.03.56 wurde vereinbart, ähnliche Verträge mit den Eigentümern der Schießstände in Nesselröden, Seulingen, Hilkerode, Gieboldehausen und Lindau anzustreben. An der ersten Schießveranstaltung auf dem Duderstädter Schießstand im Jahre 1955 nahmen 31 Jäger teil. Dieser Schießstand wurde von den Jägern des Untereichsfeldes bis in die Mitte der 60er Jahre genutzt. Im Rahmen der Trophäenschau im Schützenhaus Duderstadt fand damals auch das Einschießen der Büchsen vor dem Aufgang der Bockjagd statt. Schon am 15.10.66 kündigte die Schützengesellschaft den Nutzungsvertrag für den Großkaliberschießstand, der im Jahre 1972 schließlich von den Behörden wegen Gefährdung geschlossen wurde.
Seitdem nutzte die Jägerschaft für Übungs- und Prüfungsschießen, sowie zum Ein- und Kontrollschießen die Kugelstände des Bundesgrenzschutzes und der benachbarten Jägerschaften.
Bestrebungen, einen eigenen Kugelstand zu bauen, bestanden seit langer Zeit. Aus dem Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 06.03.64 geht z.B. hervor, daß diesbezüglich Verhandlungen mit dem BGS gescheitert waren. 1984 wurden seitens des Vorstandes der Jägerschaft erneut Überlegungen angestellt, mit der Schützengesellschaft Duderstadt kooperativ einen Kugelschießstand zu bauen. 1993 trat der Wurftaubenclub Nesselröden, der sich in den 80er Jahren gegründet hatte, mit einem gleichen Anliegen an die Jägerschaft heran. Die Unterlagen der Jägerschaft weisen auch für das Jahr 1995 ähnliche Gedanken aus. Ein unterirdischer Kugelröhrenstand auf dem Gelände des Wurftaubenschießstandes in Gieboldehausen wurde erwogen. Alle Bemühungen zum Bau eines Kugelschießstandes scheiterten letztlich an der Finanzierbarkeit derartig kostenintensiver Baumaßnahmen.
Seit Februar 1996 besteht ein Nutzungsvertrag mit dem thüringischen Schützenverein in Brehme, wo die Jäger des Untereichsfeldes nicht nur die Möglichkeit haben, einen Großkaliberschießstand zu nutzen. Nebenher besteht auch die Gelegenheit, auf den laufenden Keiler und mit der Kurzwaffe zu trainieren; einer der vielen positiven Effekte der deutschen Wiedervereinigung.
Karl Otto schießt auf den Laufenden Keiler
(Keilerpreisschießen ´98 im Schießstand Brehme)
Wurftaubenschießstände
Das Übungsschießen auf Tontauben, heute pazifistischer Wurfscheiben, wurde auf dem Eichsfeld schon immer sehr eifrig gepflegt. Bei Breitenberg bestand am ”Alten Forsthaus Hübenthal” ein Schießstand, der von 1952 bis 1964 von der Jägerschaft genutzt wurde, wovon heute sicher nur noch wenige wissen. Im Terminkalender des Vorstandes von 1967 steht unter Punkt 4 zu lesen: ”BGS bitten, den Schießstand auf dem Hübenthal zu sprengen”. Ob diese Sprengung stattgefunden hat, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Inzwischen hatte der Tontaubenstand auf der Roten Warte die Nachfolge angetreten, und auch in Gieboldehausen existierte seit 1955 ein Tontaubenschießstand, zunächst in der Nähe der sogenannten ”Pappschachtel”, einem Ausflugslokal.
Schießstand ”Pappschachtel”
Kurt Rüttgeroth, Gründer des WTC, im Trap”bunker” hinter einer mechanischen Wurfmaschine, 50er Jahre
Darüber hinaus gab es noch weitere, private Schießstände. In alten Akten steht zu lesen, daß der Freiherr von Minnigerode am 02.04.56 seinen Tontaubenstand der Jägerschaft zum Übungsschießen zur Verfügung stellte. Im Sommer ´55 fand dort auch ein Schießwettbewerb statt.
In den 60er und 70er Jahren existierte auf der Roten Warte ein offizieller Wurftaubenstand, der vermutlich 1959 gebaut und von 1964 bis 1973 von der Jägerschaft reichlich genutzt wurde. Dieser Stand bereitete der Jägerschaft aber nicht nur Freude. Immer wieder wurden bauliche Maßnahmen – und damit Kosten - erforderlich, um ihn gegen Grund- und Regenwasser zu sichern.
Die Gründung des Wurftaubenclubs Gieboldehausen auf Initiative von Kurt Rüttgeroth führte natürlich auch zum Bau eines Schießstandes (am ”Hühnerbach”), der 1970 an neuer Stelle errichtet wurde. Schon zu Anfang der 70er Jahre strebte die Jägerschaft eine Mitbenutzung an, wie das Protokoll der Vorstandssitzung vom 19.10.70 ausweist. Dazu kam es jedoch erst 1974. Am 08.03.80 wurde ein Nutzungsvertrag zwischen der Jägerschaft und dem WTC Gieboldehausen geschlossen. Danach beteiligte sich die Jägerschaft zu 50 % an den Kosten für den Schießstand-(aus)bau und wurde Miteigentümerin. Inzwischen wurde auch in Nesselröden ein Wurftaubenclub gegründet, in dem die meisten Mitglieder Jäger sind, wie auch im WTC Gieboldehausen.
Die Schießobmänner
Gustav Kortekamp, 1959 – 1961
Josef Kellner,1961 – 1965
Werner Gerlach, 1965 – 1969
Karl Zwingmann, 1969 – 1977
Werner Rüttgeroth, seit 1977 Aktivitäten, Wettbewerbe und Erfolge
Die von Dr. Gleitze zum 30jährigen Jubiläum der Jägerschaft Duderstadt verfaßte Chronik weist aus, daß der damalige Schießobmann Werner Gerlach 1966 zum ersten und (bis 1979) einzigen Male ein Schießen organisierte, bei dem die bronzene Schießnadel erworben werden konnte. Zehn Waidgesellen erreichten die geforderte Minimalpunktzahl von 220. Die mit den beschriebenen Nutzungsmöglichkeiten verbundene Übungssteigerung brachte in den darauf-folgenden Jahren bei vielen Schießveranstaltungen auf Bezirksebene etlichen Jägern die bronzene und silberne Schießnadel ein. Die o.a. Chronik weist jedoch nur zwei Jäger aus, die die Goldene Schieß-eistungsnadel erwerben konnten:
Werner Rüttgeroth aus Gieboldehausen und
Werner Ballhausen aus Hilkerode.
In der Zwischenzeit haben sich mit den Verbesserungen der Übungs-möglichkeiten und dem dazugehörenden Engagment der Schießobmänner Werner Gerlach, Karl Zwingmann und vor allem Werner Rüttgeroth viele Jäger eine hervorragende Schießfertigkeit erworben. Konnten zunächst nur einige an den Bezirkswettbewerben im jagdlichen Schießen und später an den Landesmeisterschaften teilnehmen, wurden es zunehmend mehr. Mittlerweile ist die Jägerschaft Duderstadt dazu in der Lage, sogar mehrere Schießmannschaften zu den Wettkämpfen zu entsenden, was schließlich zu bemerkenswerten Erfolgen führte.
Dazu trugen auch die Wettbewerbe auf lokaler Ebene bei, die – verbunden mit dem anschliessenden geselligen Beisammensein – die Motivation der Schützen erheblich steigerten.
Dazu gehört das Ausschießen von gestifteten Pokalen, wie des 1964 vom ehemaligen Kreisjägermeister Albert Gerlach zur Verfügung gestellten Wanderpokals (Bedingung: 10 Traptauben). 1975 stiftete der langjährige Vorsitzende Dieter Fronhoff einen Wanderpokal (15 Skeettauben), und auch der ehemalige Kreisjägermeister Werner Gerlach stellte einen nach ihm benannten Wanderpokal zur Verfügung.
Seit 1980 wird auf den Vorschlag des ehemaligen Hundeobmannes und Hegeringleiters Otto Stitz ein Hegeringvergleichsschießen veranstaltet, das sich einiger Beliebtheit erfreut. Auch ein Keilerpreisschießen, wie es in der Vergangenheit (z.B. 1980) im Schießstand der Schützengesellschaft Duderstadt veranstaltet wurde, wird derzeit wieder einmal jährlich durchgeführt. Dabei gilt es, auf 100 Meter angestrichen auf den stehenden Überläufer, sowie auf den laufenden Keiler die größtmögliche Punktzahl in drei – dem Leistungsstand der Schützen angemessenen – Wertungsklassen zu erreichen.
Hegeringvergleichsschießen 1997
WTC-Stand Gieboldehausen
Einer der erfolgreichsten Schützen der Jägerschaft Duderstadt - wenn nicht der erfolgreichste – war und ist Werner Rüttgeroth, der in Einzelwertungen
- 1977 Bezirksmeister der Klasse B
- 1980 Bezirksmeister im jagdlichen Kugelschießen,
- 1981 Zweiter der Gesamtwertung und
- 1988 wiederum Bezirksmeister
wurde. Er ist zur Zeit der einzige Schütze der Jägerschaft Duderstadt, der die Bedingungen für die Große Sondernadel in Gold, 320 Punkte, erfüllen konnte. Im Gegensatz zu den anderen Schießnadeln, die von den Landesjagdverbände verliehen wird, erfolgt die Verleihung der ”Groß-Gold-Nadel” durch den DJV.
Doch auch die Mannschaften verzeichneten Leistungssteigerungen. Die B-Mannschaft wurde 1981 Dritter bei den Bezirksmeisterschaften. Auch 1989 war ein erfolgreiches Jahr. Die Mannschaft belegte beim Bezirkswettbewerb den 4. Rang, Helmut Zwing-mann (Tiftlingerode) die gleiche Plazierung im Einzel-wettkampf.
Die 90er Jahre wurden für die Schützen – wie auch für das Bläserkorps – die erfolgreichste Zeit. Nachfolgend eine Auflistung der Erfolge ohne Gewähr auf Vollständigkeit:
1993:
Die A-Mannschaft wird Bezirksmeister,
1994:
Die B-Mannschaft wird Bezirksmeister und Franz Lautenbach (Germershausen) 3. bei den Landesmeisterschaften
1995:
Die B-Mannschaft wird erneut Bezirksmeister,
1997:
Die B-Mannschaft wird wieder Bezirksmeister.
Die A-Mannschaft rangiert unter den vorderen Plätzen.
Stefan Rüttgeroth, der 16jährige Sohn des Schießobmannes, belegt den - 3. Platz in der Juniorenwertung des Bezirkswettbewerbs.
Herbert Müller (Gerblingerode) wird Bezirksmeister der Klasse A im jagdlichen Wurftaubenschießen.
Reiner Möller erreicht den 3. Platz in der B-Klasse des Bezirkswettbewerbs.
Derzeit verfügt die Jägerschaft über zwei A- und eine B-Schießmannschaft. Alle Mitglieder der A-Mannschaften haben die goldene, alle der B-Mannschaften die silberne Schießnadel. Den Mannschaften gehören folgende Schützen an:
| Mannschaft A1 | Mannschaft A2 | Mannschaft B |
| Stefan Rüttgeroth | Reinhold Diedrich | Ansgar Nachtwey |
| Werner Rüttgeroth | Helmut Zwingmann | Werner Zapfe |
| Herbert Müller | Volker Ehbrecht | Jörg Brinkmann |
| Franz Lautenbach | Karl Otto | Bernward Döring |
| Günther Schlick | Reinhard Kohlrautz | Sebastian Kemmling |
| Ralph Wüstefeld | Mathias Nachtwey | Walter Grabowski |
Im Jahr des 50jährigen Jubiläums der Jägerschaft erzielten die Schützen bei den Bezirksmeisterschaften am 18. Bis 20. Juni 1999 in Hillerse ebenfalls große Erfolge. An dem Wettkampf beteiligten sich 25 Mannschaften und 250 Einzelschützen. Im einzelnen errangen sie folgende Plazierungen:
1. B-Mannschaft mit 1183 Punkten Bezirksmeister,
2. A-Mannschaft mit 1268 Punkten 5. Platz,
3. Bezirksmeister in der Einzel-Gesamtwertung Franz Lautenbach (Germershausen) mit 332 Punkten (von 350 möglichen),
4. Bezirksmeister in der Juniorenklasse Stefan Rüttgeroth mit 329 Punkten,
5. Vize-Bezirksmeister der Junioren Jörg Brinkmann mit 316 Punkten,
6. Gesamtsieger der Wurftaubenschützen Stefan Rüttgeroth, der alle 30 Wurftauben mit dem 1. Schuß traf.
Bei diesem sportlichen Wettkampf erzielten zwei weitere teilnehmende Schützen der Jägerschaft die Bedingungen für die Goldene Schießnadel: Werner Zapfe und Jörg Brinkmann. Damit gibt es in der Jägerschaft Duderstadt nun insgesamt 16 ”Gold-Schützen”. Zu den o.a. Schützen der A-Mannschaft und den gerade Genannten sind dies noch Reiner Möller und Stefan Effler, ebenfalls aktive Sport-Schützen in der Jägerschaft.
Wie aus der o.a. Erfolgsauflistung zu ersehen, ist in der Jägerschaft Duderstadt ein Schießtalent herangewachsen, das bei der Fortsetzung seiner Erfolge für die Zukunft viel erwarten läßt. Stefan Rüttgeroth wurde aufgrund seiner Leistungen Angehöriger der deutschen Junioren-Nationalmannschaft im sportlichen Wurftaubenschießen. 1998 konnte er sich den Titel des Deutschen Juniorenmeisters und des Europamei-sters der Junioren erkämpfen. Bei den Weltmeisterschaften belegte er den 4. Platz.


